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Planung der Entwässerungsanlage im Gebäude nach PN-EN 12056-2

22 kwietnia 2026 | Kanalisation


Eine fehlerhafte Dimensionierung der Entwässerungsanlage führt zu Verstopfungen, Rückstau, Druckstößen und Geräuschübertragung in die Wohnräume — und in Extremfällen zur Überflutung von Geschossen unterhalb der Rückstauebene. Dieser Leitfaden beschreibt die vollständige Methodik zur Planung der inneren Schmutzwasserkanalisation eines Gebäudes gemäß PN-EN 12056-2:2002 und der polnischen Verordnung über die technischen Anforderungen an Gebäude und deren Standort. Der Fokus liegt auf Anschlussleitungen, Fallleitungen und Sammelleitungen innerhalb des Gebäudekörpers.

Wenn Sie schnell die Nennweite der Schmutzwasserkanalisation auf Basis der Sanitärgegenstände und der Objektnutzung dimensionieren müssen, nutzen Sie unseren Schmutzwasserkanalisations-Rechner. Hydraulische Berechnungen von Freispiegelleitungen außerhalb des Gebäudes (Manning-Formel, Füllungsgrade, äußere Gefälle) haben wir separat im Artikel Hydraulische Berechnungen von Freispiegelkanälen behandelt.

Planung der Entwässerungsanlage nach PN-EN 12056-2

Rechtliche und normative Grundlagen

Die Planung der Entwässerungsanlage in Polen stützt sich auf mehrere sich ergänzende Rechtsakte:

  • PN-EN 12056-2:2002 — Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden. Teil 2: Schmutzwasserkanalisation, Planung und Berechnung. Die primäre Norm für die Nennweitendimensionierung.
  • PN-EN 12056-3:2002 — Teil 3: Regenwasserentwässerung innerhalb von Gebäuden. Außerhalb des Rahmens dieses Artikels.
  • Verordnung des Infrastrukturministers über die technischen Anforderungen (GBl. 2022 Pos. 1225 mit späteren Änderungen), §122–§128 — allgemeine Anforderungen an die Entwässerungsanlage im Gebäude.
  • PN-92/B-01707 — Entwässerungsanlagen. Planungsanforderungen. Historisch angewendete Methode, in vielen polnischen Planungsbüros weiterhin zitiert.
  • PN-EN 13564 — Rückstauverschlüsse.
  • PN-EN 12050-1/2 — Abwasserhebeanlagen.
  • PN-EN 1825 / PN-EN 858 — Fettabscheider und Leichtflüssigkeitsabscheider.

Die aktuellen Wärme- und Anlagenanforderungen der technischen Bedingungen (WT) beschreiben wir im Artikel Neue technische Bedingungen 2026.


Entwässerungssysteme nach EN 12056-2

Die europäische Norm definiert vier Systeme, die sich in der Führung der Anschlussleitungen und im zulässigen Füllungsgrad unterscheiden. Die Systemwahl bestimmt die Abflussleistung der Fallleitungen und die DU-Tabellen.

SystemBeschreibungMax. Füllungsgrad h/DTypische Länder
IEinzelfallleitung, teilgefüllte Anschlussleitungen0,5Polen, Deutschland, Österreich
IIEinzelfallleitung, Anschlussleitungen mit kleiner Nennweite, Vollfüllung0,7Vereinigtes Königreich
IIIEinzelfallleitung, vollgefüllte Anschlussleitungen1,0Frankreich
IVGetrennte Fallleitungen für Grau- und Schwarzwassernach I–IIIMischsysteme

In der polnischen Planungspraxis ist System I Standard. Im weiteren Verlauf dieses Artikels beziehen sich alle Abflussleistungen und Einschränkungen auf dieses System — sofern nicht ausdrücklich anders vermerkt.


Anschlusswerte (DU) — Berechnungsgrundlage

Definition des DU

Discharge Unit (DU) ist der genormte Abfluss eines Sanitärgegenstands, ausgedrückt in [l/s][\mathrm{l/s}]. Es handelt sich weder um einen momentanen noch um einen mittleren Durchfluss — es ist ein statistischer konventioneller Wert, der es erlaubt, den Beitrag vieler Sanitärgegenstände zu einer einzigen Kennzahl für einen Leitungsabschnitt zusammenzufassen. Dadurch ist das Aufsummieren der DU aus mehreren Geschossen und deren Zusammenführung in der Fallleitung unabhängig von der tatsächlichen Nutzungssynchronisation sinnvoll.

Tabelle der DU und Mindestnennweiten der Anschlussleitungen

DU-Werte nach Tabelle 2 der PN-EN 12056-2 für System I. Mindestnennweiten der Anschlussleitungen gemäß gängiger Planungspraxis in Polen:

SanitärgegenstandDU [l/s]Min. DN Anschlussleitung
Waschbecken, Bidet0,540
Duschtasse0,650
Badewanne0,850
Küchenspüle0,850
Geschirrspüler oder Waschmaschine bis 6 kg0,850
Waschmaschine bis 12 kg1,550
Urinal mit Druckspüler0,550
Urinal mit Spülkasten0,850
WC-Becken mit 6-l-Spülkasten2,0100
WC-Becken mit 9-l-Spülkasten2,5100
Bodenablauf DN 500,850
Bodenablauf DN 701,570
Bodenablauf DN 1002,0100

Zwei praktische Aspekte, bei denen Planer am häufigsten Fehler machen:

  • Für einen an den Spülensiphon angeschlossenen Geschirrspüler werden die DU nicht aufsummiert — es wird der größere Wert der beiden Sanitärgegenstände angesetzt.
  • Für wassersparende WC-Becken 4 l / 2 l gibt die Norm keinen eigenen Wert an. In der Praxis werden 1,8 DU angenommen oder — sicherheitshalber — bei 2,0 DU wie für ein 6-l-WC belassen.

Abflusskennzahl K

Die Abflüsse der verschiedenen Sanitärgegenstände treten nicht gleichzeitig auf — wäre das der Fall, müssten die Nennweiten der Anlage absurd groß sein. Die Norm führt die Abflusskennzahl K ein, die diese Ungleichzeitigkeit statistisch modelliert.

Formel für den Schmutzwasserabfluss
Qww=KDUQ_{ww} = K \cdot \sqrt{\sum DU}

Dabei ist:

  • QwwQ_{ww} — der Schmutzwasserabfluss [l/s][\mathrm{l/s}],
  • KK — die Abflusskennzahl, abhängig von der Nutzungsart des Objekts,
  • DU\sum DU — die Summe der Anschlusswerte aller Sanitärgegenstände, die den betrachteten Abschnitt speisen.

Die Wurzel in dieser Formel ist ein empirisch-statistischer Zusammenhang der Norm — sie bildet ab, dass der momentane Durchfluss deutlich langsamer als linear mit der Anzahl der Sanitärgegenstände wächst, weil die Wahrscheinlichkeit ihrer gleichzeitigen Nutzung abnimmt.

Werte von K
NutzungsartKBeispielobjekte
Unregelmäßig0,5Wohnungen, Pensionen, Büros
Regelmäßig0,7Krankenhäuser, Schulen, Restaurants, Hotels
Häufig (öffentlich)1,0Öffentliche Toiletten, Gemeinschaftsduschen
Spezial1,2Laboratorien, Industrieobjekte
Regel Qmin und zusätzliche Abflüsse

Kritische Bedingung: Wenn das berechnete QwwQ_{ww} kleiner als der größte einzelne DU-Wert auf dem Abschnitt ist, wird für die weitere Berechnung dieser größte DU-Wert angesetzt. Der Grund ist einfach — die Anlage muss den momentanen Abfluss eines einzelnen Sanitärgegenstands aufnehmen können, auch wenn die Gleichzeitigkeitsstatistik einen geringeren mittleren Durchfluss zeigt. Dieser Fehler tritt häufig in kleinen Einfamilienhausinstallationen auf.

Zum Schmutzwasserabfluss werden Dauer- und kontinuierliche Abflüsse gemäß Abschnitt 6.5.2 der Norm addiert:

Qtot=Qww+Qc+QpQ_{tot} = Q_{ww} + Q_c + Q_p

Dabei ist QcQ_c der kontinuierliche Abfluss (z. B. Kondensatabläufe von Klimaanlagen, Wasseraufbereitern, Kältemaschinen) und QpQ_p der Pumpenabfluss. Das Vernachlässigen von QcQ_c in Bürogebäuden mit zentraler Kühlung ist der zweite typische Fehler — Kondensat vom Verdampfer kann einen kontinuierlichen Strom in der Größenordnung von 0,1–0,3 l/s pro Geschoss erzeugen.

Müssen Sie diese Berechnung für eine konkrete Liste von Sanitärgegenständen durchführen? Der Schmutzwasserkanalisations-Rechner macht das automatisch — Sie wählen die Nutzungsart, fügen Sanitärgegenstände hinzu und erhalten QwwQ_{ww} sowie die Mindestnennweite.


Dimensionierung: Anschlussleitungen, Fallleitungen, Sammelleitungen

Anschlussleitungen
Anschlussleitungen im Rohbau-Badezimmer

Eine Anschlussleitung ist der Abschnitt vom Siphon des Sanitärgegenstands bis zur Fallleitung. Dimensionierungsregeln:

  • Die Nennweite darf nicht kleiner sein als die Nennweite des größten an die Anschlussleitung angeschlossenen Sanitärgegenstands.
  • Belüftung der Anschlussleitungen. Eine unbelüftete Anschlussleitung ist nur bis zu einer begrenzten Länge, einem begrenzten Gefälle und einer begrenzten Anzahl von Bögen zulässig (Tabelle 5 der PN-EN 12056-2). In System I werden für Anschlussleitungen DN 50–100 im Allgemeinen maximal 4 m (mit begrenzter Anzahl 90°-Bögen) angenommen. Die Überschreitung dieser Werte erzwingt eine Sekundärbelüftung oder den Einsatz eines Belüftungsventils. Dies ist die häufigste Ursache für Ausführungsfehler, die zum Absaugen der Geruchverschlüsse führen.
  • Mindestgefälle: 2–3 % für DN 50, 1,5 % für DN 100, 1 % für DN 150.
  • Maximale Anzahl 90°-Bögen in der Anschlussleitung — gemäß Tabelle 5 der Norm.
Fallleitungen
Fallleitung im Schacht vor der Verkleidung

Die Abflussleistung der Fallleitung hängt vom System, der Nennweite, der Art der Belüftung und der Art der Einleitung der Anschlussleitungen in die Fallleitung ab. Tabelle 11 der PN-EN 12056-2 unterscheidet zwischen rechtwinkligen Einleitungen (Formstücke mit Winkel 87–88°) und abgerundeten Einleitungen (45°-Formstücke mit Längsprofilierung) — letztere bieten eine höhere Abflussleistung. Nachfolgend die Werte für System I mit über Dach geführter Entlüftungsleitung; in der Planungspraxis werden meist die sichereren Werte für rechtwinklige Einleitungen angesetzt:

DN FallleitungQmax rechtwinklige Einleitung [l/s]Qmax abgerundete Einleitung [l/s]
701,52,0
902,73,5
1004,05,2
1255,87,6
1509,512,4

Zusätzliche Regeln:

  • Die Fallleitung darf nicht kleiner sein als die größte an sie angeschlossene Anschlussleitung. Für ein WC-Becken bedeutet das mindestens DN 100 — eine normative Anforderung, nicht nur polnische Praxis.
  • Die über Dach geführte Entlüftungsleitung muss eine Nennweite aufweisen, die nicht kleiner als die der Fallleitung ist (im frostsicheren Bereich ist eine Verjüngung auf 50 mm zulässig).
  • Belüftungsventile (AAV) — werden dort eingesetzt, wo die Fallleitung nicht über Dach geführt werden kann. Sie lassen bei Unterdruck Luft in die Fallleitung eintreten, leiten aber keinen Überdruck aus den unteren Abschnitten ab. Sie sind daher kein vollwertiger Ersatz für die Dachentlüftung und sollten als ergänzende oder eingeschränkt einsetzbare Lösung betrachtet werden — gemäß den Herstellerempfehlungen und den Bedingungen der Norm. In mehrgeschossigen Objekten ist eine über Dach geführte Entlüftung zumindest der Hauptfallleitung erforderlich.
Horizontale Sammelleitungen im Gebäude

Das sind horizontale Sammelleitungen im Keller / unter der Erdgeschossbodenplatte, die das Abwasser von den Fallleitungen zur Grundleitung führen. Dimensionierungsregeln:

  • Maximaler Füllungsgrad h/D0,7h/D \leq 0{,}7 für System I.
  • In der polnischen Planungspraxis verwendete Plangefälle:
DNPlangefälleHydraulisches Mindestgefälle
100 / 1102,0 %1,5 %
150 / 1601,5 %1,0 %
2001,0 %0,7 %

In Projekten werden die Werte aus der Spalte „Plangefälle" angesetzt — die hydraulischen Mindestwerte zeigen die rechnerische Grenze aus der Anforderung vminv_{min}, sind in der Praxis jedoch nur für Situationen reserviert, die durch die Gebäudegeometrie erzwungen werden.

  • Selbstreinigungsgeschwindigkeit: vmin=0,7 m/sv_{min} = 0{,}7 \ \mathrm{m/s}, vmax=2,5 m/sv_{max} = 2{,}5 \ \mathrm{m/s}. Unterhalb von vminv_{min} bilden sich Ablagerungen und Feststoffe setzen sich ab; oberhalb von vmaxv_{max} treten Spritzwasser, Absaugen der Geruchverschlüsse und Erosion der Rohrwandungen auf.
  • Genaue hydraulische Berechnungen der Grundleitungen im Erdreich, außerhalb des Gebäudes — siehe Artikel Hydraulische Berechnungen von Freispiegelkanälen (Manning-Formel).

Berechnungsbeispiel — Mehrfamilienhaus

Viergeschossiges Gebäude, 2 Wohnungen pro Geschoss. Standard-Sanitärausstattung in jeder Wohnung: 6-l-WC, Waschbecken, Badewanne, Küchenspüle, 6-kg-Waschmaschine.

Schritt 1. Summe der DU pro Fallleitung

Pro Wohnung:

DUWhg=2,0+0,5+0,8+0,8+0,8=4,9 l/s\sum DU_{Whg} = 2{,}0 + 0{,}5 + 0{,}8 + 0{,}8 + 0{,}8 = 4{,}9 \ \mathrm{l/s}

Die Fallleitung versorgt 8 Wohnungen:

DUFall=84,9=39,2 l/s\sum DU_{Fall} = 8 \cdot 4{,}9 = 39{,}2 \ \mathrm{l/s}

Schritt 2. Schmutzwasserabfluss

Wohngebäude → unregelmäßige Nutzung, K=0,5K = 0{,}5:

Qww=0,539,23,13 l/sQ_{ww} = 0{,}5 \cdot \sqrt{39{,}2} \approx 3{,}13 \ \mathrm{l/s}

Prüfung der Qmin-Regel: größter einzelner DU = 2,0 (WC-Becken). Qww=3,13>2,0Q_{ww} = 3{,}13 > 2{,}0 — Bedingung erfüllt, wir verwenden QwwQ_{ww}.

Schritt 3. Dimensionierung der Fallleitung

Aus der Abflussleistungstabelle (rechtwinklige Einleitungen): DN 90 ergibt Qmax = 2,7 l/s — zu wenig. Wir wählen DN 100 (Qmax = 4,0 l/s, Reserve ~28 %). Unabhängig von der Arithmetik muss die Fallleitung das WC-Becken aufnehmen — die Mindestnennweite der Anschlussleitung beträgt DN 100, daher ist DN 100 auch die normative Untergrenze.

Schritt 4. Dimensionierung der Grundleitung

Revisionsschacht an der Grundleitung am Gebäudefundament

Die Grundleitung (Leitung unter dem Gebäude von der letzten Fallleitung zum Schacht an der Grundstücksgrenze) versorgt in diesem Beispiel eine Fallleitung, sodass planerisch Qtot=Qww3,13 l/sQ_{tot} = Q_{ww} \approx 3{,}13 \ \mathrm{l/s} gilt. Bei einem Gefälle von 1,5 % und einem Füllungsgrad von 0,5 mit der Anforderung v0,7 m/sv \geq 0{,}7 \ \mathrm{m/s} wählen wir DN 150 mit großer Reserve (Manning-Berechnungen im Artikel über Freispiegelkanäle). Wenn die Grundleitung mehrere Fallleitungen aufnimmt, berechnen wir QtotQ_{tot} aus der Summe der DU aller Fallleitungen (wir addieren nicht die Qww-Werte der einzelnen Fallleitungen arithmetisch — die statistische Gleichzeitigkeit gilt weiterhin).

Dieselbe Berechnung in 30 Sekunden — der Schmutzwasserkanalisations-Rechner führt sie automatisch durch, nachdem die Nutzungsart gewählt und die Sanitärgegenstände hinzugefügt wurden.


Rückstauverschlüsse und Abwasserhebeanlagen

Rückstausicherung (PN-EN 13564)

Jeder Sanitärgegenstand unterhalb der Rückstauebene (Höhenlage, bis zu der Wasser aus dem Kanalnetz zurückstauen kann — in der Praxis meist die Geländeoberkante am nächstgelegenen Revisionsschacht) muss gegen Rückstau gesichert werden. Dies ist eine Anforderung der polnischen WT-Verordnung.

Grundsätzliche Lösungen:

  • Anheben der Installation über die Rückstauebene (Abwasserhebeanlage mit Rückstauschleife). Abwasser aus Sanitärgegenständen unterhalb der Rückstauebene wird mit einer Pumpe angehoben, und die Druckleitung wird über die Rückstauebene geführt, bevor sie in die Freispiegelkanalisation mündet. Dieser Ansatz ist für Sanitärgegenstände mit Fäkalien in dauerhaft genutzten Objekten zwingend erforderlich.
  • Rückstauverschlüsse nach PN-EN 13564 — in der Abwasserleitung eingebaute Armatur, die sich bei Rückstau automatisch verschließt. Angewendet bei Objekten mit begrenztem Risiko und Sanitärgegenständen, die während des Rückstaus zeitweise außer Betrieb genommen werden können.

PN-EN 13564-1 klassifiziert Rückstauverschlüsse in fünf Typen, die sich in der Konstruktion (u. a. Anzahl der Klappen, Vorhandensein einer Klappe mit Belastung, manueller Notverschluss) und im Einsatzbereich unterscheiden — von linearen Entwässerungen ohne Fäkalien bis zu Installationen mit Fäkalien. Die Typwahl hängt von der Abwasserart und dem geforderten Sicherheitsniveau ab.

Abwasserhebeanlagen (PN-EN 12050)

Befinden sich Sanitärgegenstände unterhalb der Höhe des freien Vorfluters, ist eine Abwasserhebeanlage erforderlich:

  • PN-EN 12050-1 — Hebeanlagen für fäkalienhaltiges Abwasser (Schwarzwasser). Tiefgaragen mit WC, Keller mit Sanitäreinrichtungen. Mindestdruckleitungsnennweite DN 80.
  • PN-EN 12050-2 — Hebeanlagen für fäkalienfreies Abwasser (Grauwasser). Duschpumpen, Wäschereien in Souterrains. Mindestdruckleitungsnennweite DN 32.

Pumpenauswahl: Fördermenge ≥ QtotQ_{tot} am Pumpabschnitt, geometrische Förderhöhe + Linien- und Einzelwiderstände. Für Schwarzwasser-Hebeanlagen sind zwei Aggregate (100 % Reserve) in Mehrfamilienhäusern und öffentlichen Gebäuden erforderlich.

Abscheider
  • Fettabscheider (PN-EN 1825) — obligatorisch in Gastronomieobjekten: Restaurants, Kantinen, Hotelküchen, Krankenhausküchen. Die Dimensionierung erfolgt nach der Nenngröße NS (in l/s), abhängig von der Anzahl der Mahlzeiten, der Abwassertemperatur und dem Vorhandensein von Tensiden.
  • Leichtflüssigkeitsabscheider (PN-EN 858) — Tiefgaragen, Tankstellen, Autowaschanlagen, Kfz-Werkstätten. Klasse I (≤ 5 mg/l am Auslauf) — für Objekte mit Einleitung in Oberflächengewässer, Klasse II (≤ 100 mg/l) — für die Einleitung in die Mischkanalisation.
  • Stärkeabscheider, Sandfänge — Objekte der Lebensmittelverarbeitung, Keramikwerkstätten.

Akustische und brandschutztechnische Aspekte

Geräuschentwicklung der Entwässerungsanlage

Eine Fallleitung, die in einem Schacht an einer Wohnraumwand verläuft, erzeugt Lärm aus zwei Quellen: dem fallenden Abwasserstrom und der Vibrationsübertragung in die Konstruktion. Anforderungen nach DIN 4109 (in Polen als Benchmark verwendet) — maximal 30 dB(A) in dem an die Fallleitung angrenzenden Raum.

Auswahl von Materialien und Befestigungen:

  • Befestigung mit Rohrschellen mit EPDM-Einlage — obligatorisch für Fallleitungen in Wohngebäuden. Eliminiert den direkten Metall-Beton-Kontakt.
  • Rohrmaterialien, geordnet von den leisesten: Gusseisen SML ≈ 15 dB(A) → schallgedämpftes PP mit mineralischem Füllstoff ≈ 17 dB(A) → PP HT Standard ≈ 25 dB(A) → PVC-U ≈ 28 dB(A).
  • Eine Fallleitung im Schacht mit Schallschutzverkleidung und Mineralwolle reduziert die Übertragung zusätzlich um 5–10 dB(A).

Ausführlich zur Schalldämmung von Trennbauteilen und den normativen Anforderungen — Schalldämmung Rw — Leitfaden.

Durchführungen durch Brandabschnittswände

Jede Abwasserleitung, die durch ein Bauteil mit geforderter Feuerwiderstandsklasse (EI 30, EI 60, EI 120) geführt wird, muss die Klasse dieses Bauteils erhalten. Grundlage: WT §232 und PN-EN 1366-3.

Angewendete Lösungen:

  • Brandschutzmanschetten (Intumeszenzmanschetten) — auf dem Rohr auf der unbeaufschlagten Seite montiert. Bei Brand dehnen sie sich aus und verschließen den Rohrquerschnitt nach dessen Abschmelzen.
  • Intumeszenzmanschetten im Wandeinbau — in das Bauteil um das Rohr eingebaut.
  • Brandschutzmörtel — zum Abdichten der Spalte zwischen Rohr und Bauteil.

Auswahl nach der Feuerwiderstandsklasse des Bauteils, der Rohrnennweite und dem Material (PVC vs. PP vs. Gusseisen). Nichtkonformität ist einer der häufigsten Gründe für eine negative Abnahme der Anlage durch die Feuerwehr.


Materialien für Abwasserrohre

Die Materialwahl beeinflusst Haltbarkeit, Temperaturbeständigkeit, Akustik und Kosten:

  • PVC-U (graue Vollrohre) — innenliegende Niedertemperaturkanalisation, Standard für Wohngebäude-Fallleitungen.
  • PP (HT) — kurzzeitige Beständigkeit gegen hohe Temperaturen bis 90 °C; erforderlich für Anschlussleitungen von Waschmaschinen und Geschirrspülern. Ausführlicher: Polypropylenrohre.
  • Schallgedämpftes PP mit mineralischem Füllstoff — senkrechte Stränge in Wohngebäuden mit erhöhten akustischen Anforderungen.
  • Gusseisen SML — Objekte mit höchsten Anforderungen an Feuerwiderstand und Schalldämmung (Hotels, Gesundheitseinrichtungen).

Kurz zu PVC für Außen- und Erdkanalisation: PVC-Rohre.


Häufige Planungsfehler

  1. Zu geringe Gefälle von DN-100-Leitungen (< 1,5 %) — führen zu Ablagerungen, Geruchsbildung und Verstopfungen innerhalb weniger Betriebsjahre.
  2. Fehlende oder unzureichende Belüftung der Fallleitung — führt zum Absaugen der Geruchverschlüsse und zum Eindringen von Gerüchen in die Räume.
  3. Anschluss eines WC-Beckens an eine Fallleitung DN 70 oder DN 90 — die Mindestnennweite der Anschlussleitung für ein WC beträgt DN 100, daher darf auch die Fallleitung nicht kleiner sein.
  4. Vernachlässigung von Bodenabläufen in der DU-Bilanz auf der technischen Ebene (Garagen, Wäschereien, Keller).
  5. Mischen der Systeme — Anwendung von Abflussleistungswerten aus System III bei einer Anlage, die als System I ausgeführt wird.
  6. Nennweitenreduktionen in Fließrichtung — in der Schwerkraftkanalisation unzulässig. Die Nennweite muss konstant bleiben oder in Fließrichtung zunehmen; eine Verringerung führt stets zu Rückstau.
  7. Vernachlässigung der kontinuierlichen Abflüsse Qc aus Klimaanlagen, Wasseraufbereitern, Kältemaschinen.
  8. Behandlung des Belüftungsventils (AAV) als vollwertiger Ersatz für die Dachentlüftung — das AAV leitet keinen Überdruck ab, in mehrgeschossigen Objekten ist eine Dachentlüftung zumindest der Hauptfallleitung erforderlich.
  9. Fehlender Rückstauverschluss oder fehlende Hebeanlage mit Rückstauschleife für Sanitärgegenstände unterhalb der Rückstauebene — Gefährdung der Keller durch Rückstau aus dem Kanalnetz.
  10. Normwidrige Brandschutzdurchführungen — Abnahmeverweigerung.

Zusammenfassung

Die Planung der Entwässerungsanlage innerhalb eines Gebäudes lässt sich auf fünf Schritte reduzieren:

  1. Die Anschlusswerte DU aller Sanitärgegenstände des Abschnitts aufsummieren.
  2. Den Schmutzwasserabfluss Qww=KDUQ_{ww} = K \cdot \sqrt{\sum DU} mit dem entsprechenden K berechnen und die Qmin-Regel prüfen.
  3. Kontinuierliche und Dauerabflüsse hinzuaddieren: Qtot=Qww+Qc+QpQ_{tot} = Q_{ww} + Q_c + Q_p.
  4. Die Fallleitungsnennweite aus der Abflussleistungstabelle wählen (System I, mit Dachentlüftung — unter Berücksichtigung der Einschränkungen für Belüftungsventile AAV).
  5. Die Sammelleitungen mit entsprechendem Gefälle, Füllungsgrad und Geschwindigkeit planen und dabei Rückstauverschlüsse, Hebeanlagen und Abscheider dort berücksichtigen, wo sie erforderlich sind.

Die obigen Berechnungen und die Nennweitenauswahl führt der Schmutzwasserkanalisations-Rechner automatisch durch. Für den vollständigen Planungsprozess lohnt es sich auch, die ergänzenden Artikel zu lesen: Anschlussbedingungen (Außennetz) und Berechnungen der Schwerkraftkanalisation (Manning für Erdleitungen).

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