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Elektroverteilung planen — Projekt Schritt für Schritt

19 lipca 2026 | Elektrotechnik


Die Planung einer Verteilung beginnt nicht mit der Zeichnung des Schranks — sie beginnt mit der Stromkreisliste. Sie entscheidet, wie viele Schutzgeräte Du brauchst, wie groß das Gehäuse sein muss und wie sich die Last auf die Phasen verteilt. Nachfolgend zeigen wir den gesamten Prozess Schritt für Schritt: vom Aufbau der Stromkreisliste über die Auswahl von Leitungsschutz- und Fehlerstromschutzschaltern bis zur Gehäusegröße, zum Einpolschema und zur Materialliste.

Kurze Antwort

Eine Verteilung plant man in fünf Schritten: (1) Du baust die Stromkreisliste der Abgänge auf, (2) für jeden wählst Du das Schutzgerät — MCB und bei Fehlerstromschutz RCD oder RCBO, (3) berechnest die Gehäusegröße: die Summe der Module aller Geräte, um eine Reserve erhöht und auf eine Reihe zu 12/18 Modulen aufgerundet, (4) verteilst die einphasigen Stromkreise gleichmäßig auf die Phasen L1/L2/L3, (5) erstellst die Dokumentation: Frontansicht, Einpolschema und Materialliste. Die Grundbedingung für die Auswahl des Schutzgeräts lautet IBInIzI_B \leq I_n \leq I_z.

Elektroverteilung mit Reiheneinbaugeräten und Stromkreisen

Was ist eine Verteilung und was umfasst ihre Planung?

Die Niederspannungsverteilung ist das Herz der Installation: Von ihr gehen alle Abgangsstromkreise aus, und in ihr werden die Schutzgeräte montiert. Ein typischer Gerätesatz umfasst:

  • Hauptschalter (Lasttrennschalter) — trennt die gesamte Verteilung,
  • Überspannungsschutz (SPD) — Schutz vor atmosphärischen und Schaltüberspannungen,
  • Fehlerstromschutzschalter (RCD) oder RCBO — zusätzlicher Schutz gegen elektrischen Schlag,
  • Leitungsschutzschalter (MCB) — Leitungsschutz jedes Stromkreises,
  • Schienen (PE, N), Klemmen und Phasenschienen.

Ein vollständiges Verteilungsprojekt ist nicht bloß eine Geräteliste. Es besteht aus vier Elementen: Stromkreisliste, Frontansicht (Anordnung der Geräte auf den Schienen), Einpolschema und Materialliste (BOM). In einem gut geführten Projekt gehen alle vier aus einer einzigen Quelle hervor — der Stromkreisliste.

Schritt 1 — Baue die Stromkreisliste auf

Beginne damit, alle Abgangsstromkreise aufzulisten. Für jeden legst Du fest: Verwendungszweck, Anzahl der Phasen (einphasig 230 V oder dreiphasig 400 V) sowie den Betriebsstrom IBI_B. In einer Wohnungsinstallation arbeitet man bequem mit typischen Stromkreisen: allgemeine Steckdosen, Küchenstromkreis, Induktionskochfeld, Beleuchtung, Bad, Waschmaschine und Geschirrspüler, Heizraumstromkreis, Ladegerät für das Elektroauto.

Das ist die Stromkreisliste samt Annahmen für die Verteilung — nicht die vollständige Leistungsbilanz der Installation. Wenn Du zuerst die Bedarfsleistung ermitteln und den Zählervorsicherungsschutz auswählen musst, mach das gesondert im Ratgeber zur Leistungsbilanz und geh mit einer fertigen Stromkreisliste in die Verteilung.

Schritt 2 — Wähle die Schutzgeräte (MCB, RCD, RCBO)

Jeder Abgangsstromkreis hat einen Überstromschutz — einen eigenständigen MCB oder einen in einen RCBO integrierten MCB. Für Wohnungsstromkreise verwendet man die Charakteristik B; die Charakteristik C (höherer Auslösestrom des Kurzschlussgliedes) kann bei Verbrauchern mit hohem Anlaufstrom nötig sein — aber das ist eine Planungsentscheidung, kein Austausch „auf Verdacht" (dazu kommen wir im Abschnitt über Fehler zurück).

Leitungsschutzschalter MCB und Reihenklemmen auf der DIN-Schiene

Den zusätzlichen Schutz gegen elektrischen Schlag gewährleisten RCDs mit einer Empfindlichkeit von 30 mA. Entscheidend ist ihr Typ:

StromkreistypMCBRCD-Typ
Allgemeine Steckdosen, BeleuchtungBA
Waschmaschine, Geschirrspüler, InduktionskochfeldBA
EV-LadegerätB / CB oder A + 6 mA DC-Erkennung
PV-Wechselrichter, Energiespeicherlt. Dokumentationlt. Dokumentation des Wechselrichters

In typischen neuen Wohnungsinstallationen verwendet man Typ A — er reagiert auf sinusförmige und pulsierende Gleich-Ableitströme, wie sie Geräte mit Elektronik erzeugen; Typ AC (nur Wechselstrom) wird für Stromkreise mit Elektronik heute in der Regel nicht mehr gewählt. Letztlich wird der RCD-Typ nach dem erwarteten Ableitstrom und der Dokumentation des Verbrauchers ausgewählt. Für Geräte mit einphasigem Frequenzumrichter (Teil der Waschmaschinen, Wärmepumpen) ist mitunter Typ F der richtige. EV-Ladegeräte sind ein Sonderfall — sie erfordern für den Ladepunkt mindestens Typ A mit Gleichfehlerstromerkennung 6 mA (RDC-DD nach IEC 62955) oder Typ B, je nachdem, ob das Ladegerät (EVSE) selbst eine DC-Erkennung eingebaut hat (PN-HD 60364-7-722). Über den RCD-Typ für einen PV-Wechselrichter entscheiden dessen Dokumentation und die Art des Anschlusses.

Die Bedingung für die Auswahl des Überstromschutzes im Verhältnis zur Leitung lautet:

IBInIzI_B \leq I_n \leq I_z

wobei IBI_B der Betriebsstrom des Stromkreises, InI_n der Nennstrom des Schutzschalters und IzI_z die Strombelastbarkeit der Leitung ist. Für Leitungsschutzschalter MCB nach PN-EN 60898-1 ist die zweite Koordinationsbedingung I21,45IzI_2 \leq 1{,}45 \cdot I_z automatisch erfüllt, wenn Du InIzI_n \leq I_z einhältst (denn für MCB gilt I21,45InI_2 \leq 1{,}45\,I_n). Die Auswahl der Strombelastbarkeit IzI_z selbst und des Querschnitts vertiefen wir hier nicht — die Leitungsbelastbarkeit ergibt sich aus den Herstellertabellen und den Verlegebedingungen, und die Koordination von Nennstrom und Querschnitt behandelt der Ratgeber zur Auswahl von Überstromschutzeinrichtungen.

Gruppen-RCD oder RCBO je Stromkreis?

Das ist die häufigste architektonische Entscheidung in der Verteilung:

RCBO vom Typ A — kombinierter Leitungsschutz- und Fehlerstromschutzschalter für einen Stromkreis
  • Gruppen-RCDs — ein RCD 30 mA für mehrere Stromkreise mit separaten MCBs. Günstiger, weniger Module, aber das Auslösen des RCD legt die gesamte Gruppe still.
  • RCBO je Stromkreis — der Fehler eines Stromkreises schaltet die übrigen nicht ab (bessere Versorgungssicherheit), dafür teurer und mehr Module. Es ist eine Begrenzung der Fehlerauswirkung auf einen einzigen Stromkreis, keine Garantie für vollständige Selektivität mit dem übergeordneten Schutz.

In der Praxis kombiniert man beide: RCBO für kritische Stromkreise (Kühlschrank, Heizraum, EV-Ladegerät), Gruppen-RCD für den Rest. Wenn Du Stromkreise hinter einem RCD gruppierst, ist der Neutralleiter entscheidend — der N jedes Stromkreises muss über denselben RCD zurückführen, der ihn schützt. Ein zweipoliger RCD bedient eine Gruppe einphasiger Stromkreise auf einer Phase; ein vierpoliger RCD ist für einen dreiphasigen Verbraucher bestimmt. Technisch kann ein vierpoliger RCD auch eine Gruppe einphasiger Stromkreise abdecken, die auf L1/L2/L3 verteilt sind (sofern die Neutralleiter all dieser Stromkreise über diesen RCD laufen), aber in der Praxis vermeidet man das: Der Fehler eines Stromkreises schaltet dann alle drei Phasen ab, und eine Beschädigung des N-Pfads im Gerät birgt die Gefahr, dass an einphasigen Verbrauchern eine erhöhte Spannung auftritt.

Schritt 3 — Wähle das Gehäuse: wie viele Module und wie viel Reserve?

Die Breite der Reiheneinbaugeräte misst man in Modulen: 1 Modul = 17,5 mm. Gehäuse haben Reihen meist zu 12 oder 18 Modulen. Die Modulzahl berechnest Du aus der Summe der Breiten aller Geräte — Hauptschalter, SPD, RCDs, RCBOs und MCBs — und nicht nur der Leitungsschutzschalter:

NModule=(wGera¨te+wKlemmen)(1+r)N_{\text{Module}} = \left( \sum w_{\text{Geräte}} + \sum w_{\text{Klemmen}} \right) \cdot (1 + r)

wobei rr die Platzreserve ist. Gute Praxis sind 20–30 % je nach erwartetem Ausbau. Das Ergebnis rundest Du auf die Gehäusekapazität auf — also auf volle Reihen. Hinzuzurechnen ist auch Platz für Reihenklemmen und Verteilerblöcke sowie Montageabstände zur Wärmeableitung (bei dichter Packung erwärmen sich die Geräte gegenseitig, was ihren realen Nennstrom herabsetzt).

Über die IP-Schutzart des Gehäuses entscheiden die Umgebungsbedingungen am Montageort — von IP30 im trockenen Innenraum (z. B. Flur) über IP44–IP55 in feuchten oder staubigen Räumen bis IP65 im Außenbereich.

Schritt 4 — Phasenbalance in der dreiphasigen Installation

Wenn die Verteilung dreiphasig gespeist wird, verteile die einphasigen Stromkreise möglichst gleichmäßig auf die Phasen L1, L2 und L3. Ziel ist, eine Lastunsymmetrie zu vermeiden — eine Situation, in der eine Phase überlastet ist und die beiden anderen nahezu leer bleiben. Eine ungleichmäßige Verteilung belastet den Neutralleiter und verschlechtert die Betriebsbedingungen der Installation.

Schritt 5 — Dokumentation: Einpolschema, Frontansicht und BOM

Ein fertiges Verteilungsprojekt besteht aus drei Dokumenten:

  • Einpolschema — zeigt den Speisepfad, beispielhaft: Einspeisung → Hauptschalter → SPD → RCDs → Stromkreise mit Leitungsschutzschaltern, Beschriftungen und Phasenzuordnung (die konkrete Ausführung, einschließlich Anschluss des SPD, hängt vom Netzsystem und den Herstelleranleitungen ab). Das ist das am häufigsten gesuchte Element der Verteilungsdokumentation.
  • Frontansicht — Ansicht der Geräteanordnung auf den DIN-Schienen, unter Wahrung der Geschlossenheit der Fehlerstromschutzgruppen.
  • Materialliste (BOM) — Zusammenstellung der Geräte und des Gehäuses mit Katalognummern.

Das ist der arbeitsaufwendigste, „zeichnerische" Teil des Projekts — und hier spart ein Online-Werkzeug am meisten Zeit.

Die häufigsten Fehler bei der Verteilungsplanung

  • Fehlende Platzreserve. Ein „auf Kante" gefülltes Gehäuse lässt weder einen Stromkreis noch Klemmen ergänzen. Lass 20–30 % frei.
  • Austausch von MCB B gegen C „blind". Die Charakteristik C löst mit dem Kurzschlussglied erst beim 5- bis 10-fachen Nennstrom aus (B: 3- bis 5-fach) und erfordert daher eine niedrigere Schleifenimpedanz ZsZ_s, um die Abschaltbedingung zu erfüllen. Eine Änderung ohne Prüfung von ZsZ_s kann den Stromkreis ohne wirksamen Schutz gegen elektrischen Schlag lassen.
  • Falscher RCD-Typ für Elektronik. Typ AC bei Waschmaschine, Induktionskochfeld oder Geschirrspüler ist die falsche Wahl — nötig ist mindestens Typ A. Ein EV-Ladegerät erfordert einen gesondert ausgewählten Schutz (Typ A mit 6 mA DC-Erkennung oder Typ B), ein PV-Wechselrichter einen mit seiner Dokumentation konformen.
  • Überlastete Einzelphase in der dreiphasigen Installation — siehe Phasenbalance.
  • Fehlende Stromkreisbeschriftung auf Frontansicht und Schema — erschwert die Abnahme und die spätere Nutzung.
Was der Planer nicht prüft

Der Planer unterstützt Auswahl und Anordnung der Geräte und erstellt die Montagedokumentation — er ersetzt aber nicht das Installationsprojekt. Außerhalb seines Umfangs bleiben: die Auswahl der Leitungsquerschnitte, die Prüfung des Spannungsfalls, die Prüfung der Abschaltbedingung (Schleifenimpedanz ZsZ_s), die Auswahl des Überspannungsschutzes (Typ 1+2, Art und Länge des Anschlusses), die Erdung, die Selektivität der Schutzgeräte sowie die Anschlussbedingungen. Montage, Anschluss und Abnahmemessungen muss eine Elektrofachkraft mit entsprechender Qualifikation ausführen.

Entwirf die Verteilung im Planer

Statt Frontansicht und Schema von Hand zu zeichnen, baue die Stromkreisliste im Verteilungsplaner auf — und Frontansicht, Einpolschema und Materialliste entstehen automatisch. Das Werkzeug läuft im Browser ohne Login, und das Projekt wird lokal gespeichert. Ein Konto (mit 5-tägiger kostenloser Testphase, ohne Karte) wird erst zum Speichern des Projekts in der Cloud und zum Herunterladen der Dokumentation als PDF benötigt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Womit beginnt die Planung einer Elektroverteilung? Mit der Liste der Abgangsstromkreise — sie ist die Quelle der Wahrheit für die gesamte Verteilung. Für jeden Stromkreis legst Du den Verwendungszweck, die Anzahl der Phasen und den Betriebsstrom fest. Erst auf dieser Grundlage wählt man die Schutzgeräte aus, bestimmt die Gehäusegröße und zeichnet das Schema.

Wie viele Stromkreise und Module sollte eine Wohnungsverteilung haben? Das hängt von der Anzahl und Art der Stromkreise ab, nicht von der Wohnfläche. Du summierst die Breite aller Geräte in Modulen (1 Modul = 17,5 mm), addierst Platz für Klemmen und eine Reserve von 20–30 % und rundest das Ergebnis auf die Gehäusekapazität auf (Reihen zu je 12 oder 18 Modulen).

Was unterscheidet MCB von RCD und RCBO? Ein MCB schützt die Leitung vor Überlast und Kurzschluss. Ein Fehlerstromschutzschalter (RCCB) erkennt den Ableitstrom und schützt den Menschen, schützt aber die Leitung nicht — deshalb arbeitet er stets mit einem Überstromschutz (MCB oder Sicherung) zusammen. Ein RCBO vereint beide Funktionen in einem Gerät und arbeitet eigenständig.

Wann verwendet man einen RCD vom Typ A und wann vom Typ B? In neuen Wohnungsinstallationen wird praktisch Typ A verwendet; letztlich wird der Typ nach dem Charakter des Verbrauchers und dessen Dokumentation ausgewählt. Ein EV-Ladegerät erfordert mindestens Typ A mit 6 mA DC-Erkennung (RDC-DD) oder Typ B — je nachdem, ob das Ladegerät selbst eine Gleichfehlerstromerkennung eingebaut hat (PN-HD 60364-7-722). Über den Typ für einen PV-Wechselrichter entscheidet dessen Dokumentation.

Gruppen-RCD oder RCBO je Stromkreis? Gruppen-RCDs sind günstiger, aber das Auslösen des RCD legt die gesamte Gruppe still. Ein RCBO begrenzt die Abschaltung auf einen einzigen Stromkreis (bessere Versorgungssicherheit) auf Kosten von Platz und Preis — das ist jedoch keine Garantie für vollständige Selektivität mit dem übergeordneten Schutz. In der Praxis kombiniert man beide: RCBO für kritische Stromkreise, Gruppen-RCD für den Rest.

Braucht man für die Planung einer Verteilung ein CAD-Programm? Nein. Der Online-Verteilungsplaner erzeugt aus der Stromkreisliste die Frontansicht, das Einpolschema und die Materialliste, ohne Software-Installation und ohne Konto.

Ersetzt ein Verteilungsprojekt im Planer das Installationsprojekt? Nein. Der Planer unterstützt die Geräteauswahl und erstellt die Montagedokumentation, ersetzt aber nicht die Auswahl der Querschnitte, die Prüfung von ZsZ_s, die Auswahl des SPD, die Erdung und die Selektivität. Montage und Abnahmemessungen führt eine qualifizierte Elektrofachkraft aus.

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